Installationskunst von Joep van Liefland

Vor- und zurückspulen: Das Leben ist ein Film auf Videokassette, meint der holländische Installationskünstler Joep van Liefland. (SDF)

Eine Ausstellung des Niederländers mit dem Titel „Real Resurrection – Wahre Auferstehung“ wird am Sonntag offiziell in der Overbeck-Gesellschaft eröffnet. Heute ist sie schon für die Besucher der Museumsnacht zu sehen.

Das hat man davon, wenn man in jungen Jahren zu viele Billigfilme auf Videokassette geguckt hat. Irgendwann glaubt man, selbst einer dieser magnetischen Staubfänger zu sein, die nicht mal Trödler mehr haben wollen. Das ist dem Holländer Joep van Liefland tatsächlich passiert. Der heute in Berlin lebende Künstler gibt es unumwunden zu: „Ich bin eine Videokassette, ich bin ein Speicher von Informationen.“ Wenn man durch seine Installation in der Overbeck-Gesellschaft läuft, glaubt man ihm aufs Wort.

Der 50-Jährige hat den weißen Pavillon in eine schummrige, staubige Videothek mit angegliederter Werkstatt verwandelt. Filmplakate, die man besser vergisst, Regalmeter von hart abgespielten Splatter-Videos, Filmschneidemaschinen und ein Wirrwarr herumhängender Kabel lassen die technologischen Errungenschaften der fernen 80er und 90er Jahren plastisch, visuell – und olfaktorisch auch – wieder lebendig werden. „Ein Kabel ist nicht bloß ein Kabel, eine Kassette ist nicht bloß eine Kassette, sondern es geht um viel mehr. Für mich sind sie ein Stück Humanität“, erklärt van Liefland.

Mittendrin in seinen Installation thront ein großes, schwarz glänzendes Prisma. Man kennt es aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltall“. Im Apparate-Irrgarten der Overbeck-Gesellschaft blühen zuhauf die Anspielungen auf beinahe religiöse Technologieutopien. Unsterblichkeit sei womöglich nur eine Frage des Datentransfers, gibt der Künstler zu bedenken. Passend gewählt ist der Titel von Joep van Lieflands Technikmuseums: „Real Resurrection – Wahre Auferstehung“. Ewiges Leben scheint wohl eine Frage der Übertragung von Daten aus den toten Videokassetten auf immerfort glänzende CDs. Vielleicht wird irgendwann der Mensch einfach eine Sicherungskopie von sich selbst. Offiziell wird diese wundersame Ausstellung am Sonntag, 28. August, um 17 Uhr eröffnet.

Die Besucher der Langen Museumsnacht können sie aber schon heute besichtigen. SDF

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