Anziehende Abziehbildchen

 

Auch Panini-Fan Marc Dobkowitz aus Sagau gehört zu den Jägern und Sammlern.

Für den italienischen Sticker-Hersteller Panini wird die Fußball-Europameisterschaft zur Goldgrube. Das Unternehmen erwartet zur EM Rekordumsätze, und die treuesten Fans der Klebebildchen kommen aus Deutschland. Seit seiner Jugend gehört auch Marc Dobkowitz aus Sagau in der Gemeinde Kasseedorf zu diesen Jägern und Sammlern.

Als Kind ist er nicht auf jeden Zug von Panini aufgesprungen. Ein Sammelalbum zur TV-Serie „Captain Future“ habe er mal gehabt, viel mehr auch nicht. Erst als Heranwachsender habe ihn die Sammelleidenschaft gepackt: „Vor über 20 Jahren haben wir in der Clique angefangen, die Bildchen der Bundesliga zu sammeln und zu tauschen“, erzählt Dobkowitz. Warum, sei ihm ein Rätsel. Er habe nie Fußball gespielt. „Vielleicht lag es an dem Gruppenerlebnis oder daran, dass ich auch schon immer Briefmarken gesammelt habe“, sucht er nach einer Erklärung.

„Das Album zur Fußball-WM 1994 in den USA war dann das erste, das ich mir komplett gegönnt habe“, berichtet Dobkowitz. Es sei damals die Zeit gewesen, in der man sein erstes Geld verdient habe. „Mit eigenem Einkommen ist so ein Hobby problemlos zu bewältigen. Ich frage mich aber, wo die Kinder heute das Taschengeld für die Sammelbilder hernehmen, zumal die Alben immer umfangreicher werden.“ Mit den einen oder anderen Tricks und der Kooperation mit Coca Cola und McDonald’s werde das Sammeln immer teurer, der Lückenschluss immer schwieriger.

Trotz der Kritik, die Abziehbildchen ziehen ihn noch immer magisch an. Natürlich besitzt er die Hardcover-Version des Sammelalbums, die Panini zur WM 2014 erstmals herausgebracht hat. Und Dobkowitz hat seine Rituale: Statt einzelner Tütchen, kauft er zwei ganze Packungen mit je 100 Tütchen à fünf Bildchen. „Das Kleben wird bei uns zur Familienaktion: Die Tütchen werden verdeckt geöffnet, dann ruft einer nacheinander die Zahlen auf, ein anderer blättert – und mit etwas Glück heißt es dann: Bingo!“

Bei den ersten 500 Aufklebern waren nur 28 doppelt. Doch unter den nächsten 100 Bildern fand sich nur noch ein neues Motiv. Genug Tauschmaterial ist also vorhanden. Zum Tauschen nutzt Marc Dobkowitz unter anderem Facebook, andere Internet-Tauschbörsen oder die Kollegen in der Firma, denn dort grassiert auch das Sammelfieber.

Und was macht nun den Reiz der Klebens aus? „Es ist einfach die Freude, zu erleben, wie sich das Album langsam vervollständigt, und am Ende festzustellen, dass es aufgeht – wie bei einem Puzzle“, meint Dobkowitz. Er ist übrigens nicht so fanatisch, endlos Aufklebertütchen zu kaufen, bis der letzte weiße Fleck gefüllt ist. „So weit geht mein Ehrgeiz nicht. 50 Bilder darf man sich bei Panini am Ende für den Lückenschluss bestellen.“ vg

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