Hilfsbereit und schön: Ghanas Götter

Die Aklama, die Hilfegeister der Ewe und Dangme aus Ghana, bezaubern durch die Vielfalt und die Schönheit der Formen. Eine Gruppe von Figuren, dem Gott Vodu Anyigbator zugehörig. (Fotos: Sdf)

Die größte Sammlung von Aklama-Figuren ist im Museumsquartier St. Annen zu sehen.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt der Volksmund. Um Schönheit zu erkennen, braucht man also zuerst einen Betrachter. Die hölzernen Statuetten von Gottheiten aus Westafrika, die „Aklama“, sehen zwar bezaubernd wie modernste Kunstwerke aus, Ethnologen und Afrikanisten hatten dennoch lange Zeit kein Auge für sie. „Beim Wort Aklama müssen selbst Afrikanisten mit den Schultern zucken und wissen nicht, was es bedeutet“, sagt Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck. Die handspannengroßen Statuetten aus Ghana wurden von Wissenschaftlern, Sammlern und Händlern schlicht übersehen, berichtet sie weiter. „Zum Teil liegt es daran, dass die Aklama einfach in den dunklen Ecken der Hütten aufbewahrt werden. Vielleicht auch daran, dass man zu oft lieber auf die Kunst der oberen Schichten guckt.“

Für das Volk der Ewe und Dangme nehmen die Aklama eine außerordentlich wichtige Rolle im Alltag ein. Denn Schöpfergott Mawu ist zu groß, mächtig und wichtig, um ihn mit den kleinen Nöten und Wünsche des Lebens zu belästigen. Damit wenden sich die Menschen an die niedrigeren Gottheiten Vodu Agey, Asisi Agbata, Tormexorsu und Mami Water. Dazu dienen die hölzerne Menschen- und Tierfiguren.

Einer der wenigen, die früh ihre Schönheit und Besonderheit erkannten, ist der deutsche Maler und Bildhauer Horst Antes. Über 2000 Figuren besitzt er, es soll sich um die größte Aklama-Sammlung der Welt handeln. Rund 1500 Statuetten werden im kiloschweren Katalog erstmalig wissenschaftlich dokumentiert, über 800 sind nun in einer Sonderausstellung im Museumsquartier St. Annen bis zum 4.

September zu bewundern. Dass diese imponierende Parade der kleinen, hilfsbereiten Gottheiten in Lübeck gezeigt wird, ist der guten Beziehungen der hiesigen Völkerkundesammlung mit dem anerkannten Künstler und leidenschaftlichem Sammler zu verdanken.

Die oft schematischen Darstellungen der Hilfegeister bezaubern durch die Vielfalt der Formen, Farben und Verzierungen. Der Einfallsreichtum bei der Darstellung von Menschen und menschlichen Eigenschaften gehorcht zwar präzisen religiösen Vorgaben, scheint aber schier unerschöpflich. „In diesen Figuren hat Horst Antes die Anfänge der Skulptur erkannt“, berichtet Brigitte Templin, „mit dieser Ausstellung verneigt sich der anerkannte Künstler vor seinen Kollegen in Ghana.“ SDF

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