Ängste und Selbstzweifel prägen ihr Leben

Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem psychisch kranken Elternteil werden von ihrem Umfeld oft weder wahrgenommen noch beachtet. Sie rücken erst in den Fokus, wenn sie Probleme in Kita und Schule bekommen oder selber durch psychische Störungen auffällig werden. Anstatt mit dem Schutz ihrer Eltern aufzuwachsen, nehmen diese Kinder viele Jahre lang schwere Belastungen und viel zu früh Verantwortung auf sich. Sie tragen emotionale Kämpfe mit sich und ihrem direkten Umfeld aus und entwickeln Strategien, die sie trotzdem — von außen beurteilt — unauffällig heranwachsen lassen.

Da die psychisch kranken Eltern ihren Kindern weder Vorbild sein, noch sie behutsam schützen und ins Leben führen können, werden die Kinder von vielen Ängsten gequält. Dazu gehört auch die über allem schwebende Drohung eines Eingriffs durch das Jugendamt (Heimunterbringung oder Pflegefamilie) bei jüngeren Kindern oder Geschwistern.

„Da Kinder psychisch kranker Eltern selten auffällig werden, erfahren sie erst seit wenigen Jahren Unterstützung in ihrer komplexen Situation“, erläutert Ellen Thom vom Landesverband Schleswig-Holstein der Angehörigen und Freude psychisch Kranker. Aus diesem Grund hat sie im Oktober 2015 eine Selbsthilfegruppe im Gemeindehaus St. Bonifatius, Wickedestraße 76, ins Leben gerufen.

Dort treffen sich jeden zweiten Montag im Monat jeweils um 18.30 Uhr erwachsene Kinder psychisch kranker Eltern.„Es ist eine Art Netz, das sich oft über Jahrzehnte um die Betroffenen herum aufgebaut hat und sie gefangen hält. So werden die Menschen daran gehindert, ihre Situation und damit sich selber richtig zu beurteilen. Wir möchten die Teilnehmer unserer Selbsthilfegruppe ermutigen, sich auszutauschen, um möglicherweise neue Perspektiven zu finden“, ergänzt Dr. Rüdiger Hannig, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker.

Wer mit psychisch kranken Eltern aufgewachsen ist, findet in der Selbsthilfegruppe zwar keine Therapie, aber in der Anonymität, fern von Scham und Vertuschung, gleichermaßen Betroffene. Denn da die Anzahl der psychisch Kranken ständig steigt, wird auch der Kreis betroffener Kinder mit psychisch kranken Eltern immer größer.

»Das nächste Termin der Selbsthilfegruppe ist am Montag, 14. März, um 18.30 Uhr. Anmeldung unter Telefon 0431/ 26 095690 oder E-Mail:

kontakt@lvsh-afpk.de .

Dr. Rüdiger Hannig möchte die Teilnehmer der Gruppe ermutigen, sich auszutauschen.

KvD

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