„Stadtmütter“ als Wegweiser für Lübeckerinnen

„Ich habe immer davon geträumt, hauptberuflich im sozialen Bereich zu arbeiten. Der Verein ‚Frauen helfen Frauen‘ in Lübeck hat mir jetzt die Tür dazu geöffnet“, freut sich Susan Al-Salihi. Die 38-Jährige ist seit Anfang des Jahres die neue Projekt-Koordinatorin des Vereins und unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Die gelernte Dolmetscherin aus dem Irak lebt seit sechs Jahren in der Hansestadt. „Ich habe viel im Nachbarschaftsbüro mitgearbeitet und als Dozentin Kurse für Migrantinnen gegeben.“ Mit Kursen hat sie nach wie vor zu tun — allerdings nicht mehr als Dozentin. Im Team mit Stephanie Wachoswki (37) und Elena Zhukov (39) entwickelt und treibt sie die Projekte des Vereins voran, der 1977 gegründet wurde und der seit 1978 das Autonome Frauenhaus betreibt. Das „jüngste Kind“, so die pädagogische Mitarbeiterin Wachoski, „sind die Lübecker Stadtmütter, die 2013 von zwei Frauen der Vorwerker Diakonie und des evangelischen Frauenwerkes ins Leben gerufen wurden.“

66 Frauen mit und ohne Migrationserfahrung aus 22 Ländern wurden inzwischen zu Stadtmüttern ausgebildet. Der erste Kurs startete im Februar vor drei Jahren. Aktuell läuft der siebte. Noch bis Juni lernen 14 hochmotivierte Frauen in dem sechsmonatigen Fortbildungskurs drei Mal pro Woche jeweils drei Stunden lang nicht nur das deutsche Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Uni kennen. Sie bekommen auch Informationen über unser Familienrecht und die Gesundheitsvorsorge sowie über anderes mehr. Gut geschult verlassen sie dann als Lübecker Stadtmütter das Projekt und machen mit ihrer „Arbeitskleidung“, den weißen Umhängetaschen, als Multiplikatorinnen und Wegweiser Hausbesuche bei Familien. Hier sowie bei Elternabenden und ähnlichen Veranstaltungen geben sie den Frauen ihr erlerntes Wissen weiter und leisten damit Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine von ihnen ist die 58-jährige Sandus Al-Estarebadi aus dem Irak. „Ich lebe seit 25 Jahren in Deutschland und seit 20 Jahren in Hamberge, wo ich zurzeit zwei syrische Familien betreue.“ Mit dem Wissen, das sie sich gerade aneignet, kann sie diesen jetzt noch effektiver zur Seite stehen.

„Ich möchte es besser machen, als ich es selbst erlebt habe“, lautet die Motivation der 51-jährigen Erfurterin Ulrike Harms, die den Vereinsflyer im Café W.U.T entdeckte und sich sofort zu der kostenlosen Schulung anmeldete. „Ich habe nie die richtige Hilfe bei den Ämtern gefunden. Nun kann ich selbst zu vielen Dingen informieren.“

„Wir lernen viel in dem Kurs. Ich bin sehr zufrieden“, bestätigt auch Khaldi Solh aus dem Libanon. Die 46-jährige Mutter von vier Kindern ist seit 22 Jahren in Deutschland zu Hause und unterstützt Familien bei Arztbesuchen oder beim Einkaufen. Auch die 35-jährige Aysel Beris aus der Türkei will ihr Wissen an ihre Freundinnen weitergeben. „Wir haben alle die gleichen Probleme und müssen zusammenhalten.“

Neben dem Projekt Stadtmütter und dem Autonomen Frauenhaus betreibt der Verein „Frauen helfen Frauen“ den Secondhandladen „58“ in der Knud-Rasmussen-Straße 58a. Finanziell unterstützt wird die Arbeit der Damen vor allem durch die Possehl-Stiftung, die Bluhme-und-Jebsen-Stiftung sowie durch die Margot-und-Jürgen-Wessel-Stiftung. DO

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Weitere Informationen über den Verein, der anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März in der Marlesgrube 49/51 von 11 bis 12.30 ein internationales Frühstück mit Expertenwissen zum Thema Nahrungsvielfalt veranstaltet, gibt es unter www.frauen-helfen-frauen-luebeck.de.

Susan Al-Salihi (vorne Mi.), Stephanie Wachowski (li. daneben) und Elena Zhukov arbeiten in dem Projekt „Lübecker Stadtmütter“.

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