Kritik und Lob für die Hafenschuppenretter

Werden die alten Holzschuppen auf der nördlichen Wallhalbinsel gerettet? Die Stadtverwaltung hegt erhebliche Zweifel an dem alternativen Konzept der Projektinitiative Hafenschuppen (PIH) der Bürgerinitiative rettet Lübeck (Birl). In einer Vorlage für die Beratungen der Bürgerschaft bemängeln Bauverwaltung und Koordinierungsbüro Wirtschaft in Lübeck (KWL) mehrere Punkte der behutsamen Entwicklung der nördlichen Wallhalbinsel. Die Liste fängt mit dem angebotenen Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro an. Die PIH habe den Verkehrswert des Areals zu niedrig angesetzt, tadelt die Stadtverwaltung. Von der Summe müsse man zudem noch die Kosten abziehen, die die KWL für die Vorbereitungen des dann geplatzten KaiLine-Projekts ausgelegt hat (650000 Euro). Für die Hansestadt springe am Ende zu wenig raus. Ferner sei noch rechtlich unklar, ob Lübeck die Grundstücke ohne eine öffentliche Ausschreibung direkt an die PIH veräußern könne.

Unzufrieden ist die Stadtverwaltung auch mit der Menge an Wohnraum, der auf der nördlichen Wallhalbinsel in den Schuppen entstehen soll: „Mit dem vorliegenden Konzept werden, im Gegensatz zu 420 Wohnungen im KaiLine-Projekt, lediglich 50 Wohnungen geschaffen. Dringend notwendige Sozialwohnungen — wie beim KaiLine-Projekt eingeplant — sind nicht vorgesehen.“ Die Vorlage bezweifelt schließlich sowohl die Notwendigkeit als auch die Wirtschaftlichkeit der vorgeschlagenen kulturellen Nutzungen. All diese und weitere Einwände wollen die Stadtverwaltung und die KWL noch eingehend mit der PIH beraten, um Ende April eine Entscheidung herbeizuführen.

Der Koordinator der Projektinitiative Detlev Holst lässt die Kritik nicht gelten. „Unsere Verkehrswertermittlung basiert auf den Werten, die bereits für das Projekt KaiLine ermittelt und uns von der Verwaltung zur Verfügung gestellt wurden“, erklärt er auf Anfrage. Einer eventuellen öffentlichen Ausschreibung sieht er gelassen entgegen, denn „andere Interessenten hatten zweieinhalb Jahren Zeit, ihr Interesse zu bekunden, aber bisher hat sich niemand gemeldet“.

Rückendeckung erhalten die Hafenschuppenretter durch die Fraktionen der CDU und der Grünen. In separaten Anträgen für die Bürgerschaft am Donnerstag (nach Redaktionsschluss) fordern sie die Verwaltung auf, das PIH-Konzept zu realisieren. Die Grünen wollen zudem, dass in den Holzgebäuden auch Sozialbauwohnungen eingerichtet werden. Der Wirtschaftsbeirat der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat vor einigen Tagen die Pläne ebenfalls begrüßt. „Dennoch sollte die Birl bei den geplanten Nutzungen im Sinne der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nachbessern“, lautet die Empfehlung des Gremiums. SDF

Die Projektinitiative Hafenschuppen will die historischen Gebäude auf der Wallhalbinsel erhalten und sie mit neuem Leben füllen.

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