Hilfe für Kriminalitätsopfer

Ihr Blick ist offen, das Lächeln freundlich, liebevoll widmet sie sich ihrer Tochter Ameli — was Maria Hanke durchlitten hat, ahnt niemand, der der jungen Frau aus Heiligenhafen begegnet: „Ich dachte immer, ich bin eine starke Frau“, sagt sie nachdenklich. Tatsächlich ist sie noch stärker, als sie geglaubt hat, denn für den „Weißen Ring“ berichtet sie, was ihr angetan wurde. Erzählt davon, wie ihr damaliger Partner sie vor den Augen der kleinen Ameli schwer verprügelt hat. Die Gewalt gipfelt in zwei Vergewaltigungen, nach denen Maria Hanke die Reißleine zieht: Sie erstattet Ende November Anzeige, die Verhandlung steht nun unmittelbar bevor. Heiligenhafen wird Maria Hanke verlassen und mit Ameli neu anfangen: „Sie ist noch klein, es besteht die Chance, dass sie vergisst, was sie erleben musste“, hofft die junge Mutter.

Dass sie die Kraft gefunden hat, sich zu wehren und konsequent einen eigenen Weg zu gehen, liegt auch am Zuspruch ihrer Umgebung und nicht zuletzt an der Beratung durch die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“. 67 Kriminalitätsopfer haben dort im Jahr 2015 Unterstützung gesucht, 2014 waren es noch 50 Menschen. Die entsprechende Statistik präsentierte nun der Vorsitzende am Standort Ostholstein, Holger Dabelstein. Die Polizeistatistik für das vergangene Jahr ist zwar noch nicht fertiggestellt, aber Dabelstein nannte einen Richtwert von insgesamt 14 000 Straftaten in der Region.

Von denjenigen, die beim „Weißen Ring“ Hilfe suchten, waren 53 Frauen und Mädchen. 54 Opfer waren älter als 18 Jahre, acht jünger als 14 Jahre. Mit 18 bzw. 20 Fällen machten Sexualdelikte und Körperverletzungen den größten Teil der Übergriffe aus. Es folgen Stalking (8), Bedrohungen (6) und Diebstahl (5). Die Hilfe durch „Weißen Ring“ eröffnet den Zugang zu psychologischer und anwaltlicher Beratung, zur Überbrückung akuter Notlagen, die Folge der Straftat sind, sind Sofortzahlungen von bis zu 250 Euro möglich. Dazu kommt die Begleitung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter, etwa zu Gerichtsterminen.

In Ostholstein gibt es sieben Ansprechpartner. Bei ihnen hat auch Dagmar Niemann Unterstützung gefunden. Die Eutinerin, die als Spielhallenaufsicht arbeitet, wurde von ihrem Ex-Freund auf der Arbeit überfallen und bei dem Versuch, wegzulaufen, massiv von ihm verletzt. Die Schläge und Tritte haben eine frühere Knieverletzung noch verschlimmert, so dass Dagmar Niemann nach OP und Behandlung derzeit nicht arbeitsfähig ist. So kommen zu den körperlichen und seelischen Verletzungen Existenzängste: „Wenn die Lohnfortzahlung ausläuft und das Krankengeld nicht mehr gezahlt wird, ist man bei Hartz IV“, verdeutlicht Hartmut Dahlmann vom „Weißen Ring“. Wie massiv das Erlebte nachwirkt, beschreibt Dagmar Niemann: „Ich bin umgezogen, gehe kaum aus dem Haus. Kontakte halte ich über What‘s app, Internet und Telefon.“ Doch sie gibt nicht auf, sie ist eine starke Frau. Momentan kämpft sie für eine Therapie.

Um Menschen wie ihr beizustehen, leisteten die Ostholsteiner Mitarbeiter des „Weißen Rings“ 2015 insgesamt 2150 Stunden freiwillige Arbeit. Und neue Ziele sind gesteckt: Nachdem die Polizei die Präventionsarbeit an den Schulen stellenbedingt nicht mehr übernehmen kann, konzentriert sich Sandra Dankert auf dieses Thema: „Ein Stichwort ist das Cybermobbing“, erläutert sie. „Ich hoffe, dass da ein Zusammenwirken von Schule und ,Weißem Ring‘ entwickelt werden kann.“»Kontakt zum „Weißen Ring“ in Ostholstein gibt es unter Telefon 0151/55164750 oder per E-Mail an weisser.ring-ostholstein@web.de

Trotz ihrer Erfahrungen versucht Maria Hanke mit ihrer Tochter Ameli positiv in die Zukunft zu sehen.

AJ

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